Ein digitaler Arbeitsplatz

Pulte von Lehrpersonen können nie genug gross sein, denn sie dienen als Ablage für zu verteilende, zu korrigierende und zurückzugebende Arbeitsblätter. Gleichzeitig müssen sie Platz bieten für Materialien, welche zur Vorbereitung von Unterricht bereitgestellt werden und auf ihnen wird bei „modernen“ Lehrpersonen auch ein Teil der Unterrichtstechnik abgestellt: Dazu gehören möglicherweise ein PC mit Bildschirm, Tastatur und Maus, ein Drucker, ein Visualizer. Diese Technik und die Materialien machen sich gegenseitig den Platz streitig, weshalb die Lehrperson Materialien hin- und herschiebt, stapelt und auf der Suche nach dem Gewünschten durchwühlt.

Die Digitalisierung des Unterrichts bietet dabei erst einmal keine überzeugende Lösung, da wohl einige Vorbereitungsmaterialien auf den virtuellen Schreibtisch verschoben werden können, sich dafür aber eben die Technik breit macht und vor allem in einer ersten Phase oft noch mehr Papier produziert wird, als dies in der guten alten Schule der Fall war.

Erst wenn die Digitalisierung weiter fortschreitet und einen Punkt erreicht hat, wo ein Teil der Technik unsichtbar wird, ergeben sich tatsächliche Vorteile: Dazu gehört ein Arbeitsinstrument (Computer), welcher zum einen mobil ist, zum anderen über verschiedene Eingabemöglichkeiten wie z.B. einen Stift verfügt.

Ein Gerät mit abnehmbarer oder separater Tastatur erleichtert den Einsatz eines Stiftes im Unterricht. Der Bildschirm sollte dazu geneigt werden können. Für den mobilen Einsatz sollte die Tastatur aber direkt am Gerät befestigt werden können (nicht abgebildet). Das Dock erlaubt die Verbindung zu externen Geräten wie Drucker und Beamer. Mit dem Fortschreiten der Technik dürfte die Verkabelung ebenfalls verschwinden und durch eine Funkverbindung ersetzt werden.

Der mobile Computer (ein Notebook oder ein Tabletcomputer) kann nicht nur einfach von einem Arbeitsplatz an einen anderen verschoben werden, wenn er über die Fähigkeit verfügt, den Bildschirm entsprechend zu neigen, kann er beim Einsatz eines digitalen Stiftes gleichzeitig auch weitgehend den Visualizer ersetzten. Der Drucker kann vom Pult der Lehrperson an einen weniger kritischen Ort verschoben werden, da er aufgrund von digitalisierten Arbeitsmaterialien für Schülerinnen und Schüler weniger zum Einsatz kommt. Auch die Stapel der zu korrigierenden Arbeiten verringern sich, wenn Routineaufgaben automatisch von einem Lern-Management-System ausgewertet werden.

Der so geschaffene Platz ist sowohl physisch von Bedeutung, denn nun kann der Platz für die Planung komplexer Aufgabenstellungen genutzt werden, bei denen das freie Handtieren von einzelnen Elementen zu einem Qualitätsgewinn der Unterrichtsqualität führen kann, als auch in psychologischer Sicht: Ein aufgeräumter Schreibtisch bietet Sicherheit und Klarheit in der täglichen Auseinandersetzungen mit den Chancen und Gefahren des Internetdschungels. Ausserdem erlaubt eine freie Arbeitsfläche es der Lehrperson, sich ganz auf diejenigen Arbeiten von Schülerinnen und Schülern zu konzentrieren, welche durch die Einforderung höherer Lernprozesse wie vertiefter Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand, individueller Lösungen und dem Entwickeln eigener Fragestellungen entstanden sind.

Die Digitalisierung hat demnach nicht nur das Potential, den Arbeitsplatz einer Lehrperson optisch zu verändern, wenn die Technik teilweise unsichtbar wird (ein Ausdruck ihrer Selbstverständlichkeit), dann verändert sich auch die Arbeitsweise: Statt auf Arbeitsblättern immer wieder die gleichen richtigen oder falschen Antworten anzustreichen, leistet nun die Lehrperson einen Beitrag, welcher die Qualität von Schülerarbeiten und der sich darin spiegelnden Lernprozesse tatsächlich auch verbessern kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.