Arbeitsblätter im digitalen Zeitalter

Ein zentrales Arbeitsinstrument im Unterricht der letzten drei Jahrzehnte war das Arbeitsblatt. Musste dies vor der Verbreitung von Kopierern mühsam mit Hilfe von Umdruckern hergestellt werden, wobei die entsprechenden Matrizen häufig von Hand geschrieben wurden, ermöglichte der Kopierer die Verbreitung von drucktechnisch immer anspruchsvolleren Unterlagen. Dabei ging manchmal vergessen, dass Unterricht nicht nur aus dem Ausfüllen von Lückentexten und der Beschriftung von Bildelementen lebt. Auch die offiziellen Lehrmittel erfüllten die Erwartungen. Nebst den eigentlichen Schulbüchern lieferten sie Ordner von Arbeitsblättern, welche eine Differenzierung des Unterrichts ermöglichen sollten.

War das Kopieren eines Arbeitsblattes am Anfang also noch eine von der Lehrperson frei gewählte Handlung mit dem Ziel, den eigenen Unterricht zu bereichern, wurde diese bald zu einem Muss. Ganze Stapel von losen Blättern wurden kopiert, verteilt, wieder eingesammelt und teilweise sogar korrigiert. Diese Entwicklung hat in den letzten Jahren wahrscheinlich einen Höhepunkt erreicht.

Mit der Digitalisierung des Unterrichts und dem Einsatz von 1:1-Geräten im Unterricht stellt sich aber die Frage: Ist das Arbeitsblatt auf Papier noch zeitgemäss?

  • In vielen Fällen lautet die Antwort „Nein“. Nämlich immer dann, wenn auch einem Arbeitsblatt eindeutige Antworten eingetragen werden. In diesen Fällen ist es sinnvoll, das entsprechende Arbeitsblatt zu digitalisieren, weil dann der Aufwand für das Kopieren, Verteilen, Einsammeln und Korrigieren wegfällt. Die Digitalisierung ist auch deshalb sinnvoll, weil Schülerinnen und Schüler solche „Arbeitsblätter“ unabhängig von der Lehrperson bearbeiten können.
  • Wenn es darum geht, Informationen festzuhalten, welche nicht eindeutig richtig oder falsch sind, ist das Arbeitsblatt vielleicht weiterhin sinnvoll. Vor allem dann, wenn die unterrichtende Lehrperson nicht über das technische Wissen und Können verfügt, die entsprechenden Schülerantworten in einer digitalen Form einzuholen.
  • Sinnvoll kann ein Arbeitsblatt auch dann sein, wenn die Handschriftlichkeit und das Anfertigen von Notizen Ziel des Unterrichts sind, allerdings gibt es auch hier bereits digitale Alternativen.

Das Arbeitsblatt wird also nicht vollständig verschwinden, aber es wird seine vorherrschende Stellung verlieren, welche es im heutigen Unterricht einnimmt. Da sich mit der Digitalisierung von Unterricht gleichzeitig zahlreiche neue Möglichkeiten ergeben, wie Schülerinnen und Schüler ihr Wissen und Können im Unterricht unter Beweis stellen können, führt die Verringerung der Anzahl der Arbeitsblattkopien zu einer eigentlichen Bereicherung des Unterrichts. In diesem Falle ist weniger tatsächlich mehr.

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