Ein digitaler Arbeitsplatz

Pulte von Lehrpersonen können nie genug gross sein, denn sie dienen als Ablage für zu verteilende, zu korrigierende und zurückzugebende Arbeitsblätter. Gleichzeitig müssen sie Platz bieten für Materialien, welche zur Vorbereitung von Unterricht bereitgestellt werden und auf ihnen wird bei „modernen“ Lehrpersonen auch ein Teil der Unterrichtstechnik abgestellt: Dazu gehören möglicherweise ein PC mit Bildschirm, Tastatur und Maus, ein Drucker, ein Visualizer. Diese Technik und die Materialien machen sich gegenseitig den Platz streitig, weshalb die Lehrperson Materialien hin- und herschiebt, stapelt und auf der Suche nach dem Gewünschten durchwühlt.

Die Digitalisierung des Unterrichts bietet dabei erst einmal keine überzeugende Lösung, da wohl einige Vorbereitungsmaterialien auf den virtuellen Schreibtisch verschoben werden können, sich dafür aber eben die Technik breit macht und vor allem in einer ersten Phase oft noch mehr Papier produziert wird, als dies in der guten alten Schule der Fall war.

Erst wenn die Digitalisierung weiter fortschreitet und einen Punkt erreicht hat, wo ein Teil der Technik unsichtbar wird, ergeben sich tatsächliche Vorteile: Dazu gehört ein Arbeitsinstrument (Computer), welcher zum einen mobil ist, zum anderen über verschiedene Eingabemöglichkeiten wie z.B. einen Stift verfügt.

Ein Gerät mit abnehmbarer oder separater Tastatur erleichtert den Einsatz eines Stiftes im Unterricht. Der Bildschirm sollte dazu geneigt werden können. Für den mobilen Einsatz sollte die Tastatur aber direkt am Gerät befestigt werden können (nicht abgebildet). Das Dock erlaubt die Verbindung zu externen Geräten wie Drucker und Beamer. Mit dem Fortschreiten der Technik dürfte die Verkabelung ebenfalls verschwinden und durch eine Funkverbindung ersetzt werden.

Der mobile Computer (ein Notebook oder ein Tabletcomputer) kann nicht nur einfach von einem Arbeitsplatz an einen anderen verschoben werden, wenn er über die Fähigkeit verfügt, den Bildschirm entsprechend zu neigen, kann er beim Einsatz eines digitalen Stiftes gleichzeitig auch weitgehend den Visualizer ersetzten. Der Drucker kann vom Pult der Lehrperson an einen weniger kritischen Ort verschoben werden, da er aufgrund von digitalisierten Arbeitsmaterialien für Schülerinnen und Schüler weniger zum Einsatz kommt. Auch die Stapel der zu korrigierenden Arbeiten verringern sich, wenn Routineaufgaben automatisch von einem Lern-Management-System ausgewertet werden.

Der so geschaffene Platz ist sowohl physisch von Bedeutung, denn nun kann der Platz für die Planung komplexer Aufgabenstellungen genutzt werden, bei denen das freie Handtieren von einzelnen Elementen zu einem Qualitätsgewinn der Unterrichtsqualität führen kann, als auch in psychologischer Sicht: Ein aufgeräumter Schreibtisch bietet Sicherheit und Klarheit in der täglichen Auseinandersetzungen mit den Chancen und Gefahren des Internetdschungels. Ausserdem erlaubt eine freie Arbeitsfläche es der Lehrperson, sich ganz auf diejenigen Arbeiten von Schülerinnen und Schülern zu konzentrieren, welche durch die Einforderung höherer Lernprozesse wie vertiefter Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand, individueller Lösungen und dem Entwickeln eigener Fragestellungen entstanden sind.

Die Digitalisierung hat demnach nicht nur das Potential, den Arbeitsplatz einer Lehrperson optisch zu verändern, wenn die Technik teilweise unsichtbar wird (ein Ausdruck ihrer Selbstverständlichkeit), dann verändert sich auch die Arbeitsweise: Statt auf Arbeitsblättern immer wieder die gleichen richtigen oder falschen Antworten anzustreichen, leistet nun die Lehrperson einen Beitrag, welcher die Qualität von Schülerarbeiten und der sich darin spiegelnden Lernprozesse tatsächlich auch verbessern kann.

Online-Kurse als Quelle der Inspiration

Kritiker unterstellen Online-Kursen, sie würden nebst Kurzfutter-Videos und banalsten Multiple-Choice-Test nicht viel bieten. Die darin präsentierten Lerninhalte würden angeblich nur oberflächlich verarbeitet und eine soziale Interaktion mit anderen Teilnehmenden entfalle gänzlich. Meist wird diese Kritik von Personen geäussert, die selbst noch nie einen Online-Kurs absolviert haben, deshalb will ich hier dazu gar nicht Stellung nehmen, sondern von einem Unterrichtsprojekt berichten, welches sich im Planungsstadium befindet und aufzeigen, welche Bedeutung dabei ein Online-Kurs hatte.

Anfang Schuljahr sprachen sich die Deutsch-Lehrpersonen der Lerngruppen mit erweiternden Anforderungen dahingehend ab, dass wir uns mit Friedrich Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ beschäftigen wollten. Bei diesen Absprachen geht es in der Regel nicht darum, den Unterricht zu normieren, vielmehr sollen dabei Ideen ausgetauscht und Doppelspurigkeiten in der Vorbereitung vermieden werden. Für mich war relativ bald klar, dass ich dabei nicht auf das Originalwerk zurückgreifen, sondern die Comic Version, welche an einem Gymnasium entstand, in den Mittelpunkt stellen würde, weil diese das Werk nicht nur gut zusammenfasst, sondern zusätzlich auf der Bildebene zur Interpretation einlädt und zudem einen Einblick in die Bildsprache von Comics – oder genauer Graphic Novels – erlaubt.

Im klassischen Ansatz hätte ich nun den Comic mit den Schülerinnen und Schülern gelesen. Sie hätten eine Reihe von Fragen zum Inhalt des Textes beantwortet und vielleicht das eine oder andere Kapitel zusammengefasst. Dieses Vorgehen wird zwar weitläufig angewendet, aber es ist nicht immer zielführend, denn es erlaubt es den Schülerinnen und Schülern, sich der eigentlichen Zielsetzung, der gedanklichen Auseinandersetzung mit einem literarischen Werk zu entziehen. Was also tun?

An dieser Stelle half mir ein Online-Kurs weiter, den ich letztes Jahr absolviert hatte: Literature in the Digital Age. Auf den Kurs selbst möchte ich hier nicht näher eingehen – obwohl dieser ebenfalls ein Leseprojekt zur Folge hatte. Wichtiger ist hier, dass der Kursleiter Philipp Schweighauser auch eine Reihe von weiterführenden Literaturempfehlungen abgab, u.a. zu Franco Morettis „Graphs, Maps, Trees“. Dieses lesenswerte schlanke Buch bespricht die Verwendung grafischer Repräsentationsmethoden bei der literturgeschichtlichen Untersuchungen. Im Kapitel „Trees“ bespricht Moretti nebst anderen Themen die Entwicklung des Kriminalromans im 19. Jahrhundert und er entwickelt eine Theorie, welche Merkmale dazu führen, dass eine bestimmte Ausprägung einer Literaturgattung – hier der Krimi nach dem Muster von Conan Doyles Sherlock Holmes – besonders erfolgreich sind. Nach Moretti spielt dabei die Verwendung von Hinweisen auf den Täter eine entscheidende Rolle.

Diese Bemerkungen Morettis führten zu einer kurzen Recherche zur Geschichte des Kriminalromans, wobei ich auch auf einen alten Bekannten Poes „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ stiess. Diesen Text hatte ich bereits mit Schülerinnen und Schülern gelesen. Mir war aber auch bewusst, dass ich dafür dieses Jahr die Zeit nicht finden würde. Trotzdem blieb die Frage im Raum, welcher Text nun als Urvater des Kriminalroman gelten dürfte.

All diese Überlegungen flossen letztlich in die Planung des Literaturprojekts rund um Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ ein. Ziel war es weiterhin, ein literarisches Werk zu lesen, dabei aber auch den Zugang für die unterschiedlichen Begabungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler zu öffnen.

Aktuell ist die Planung noch nicht abgeschlossen, klar ist aber, welche Fragestellungen dabei von Interesse sein könnten:

  • Welche Personen spielen eine Rolle?
    Darstellung der Personen in Text und Bild (Foto, Zeichnung)
  • An welchen Orten spielt die Handlung?
    Orte und zurückgelegte Wege in einer Karte eintragen
  • Wann spielt die Handlung? Ist sie linear oder gibt es Rückgriffe?
    Darstellung der Handlung auf einem Zeitstrahl
  • Aus welcher Perspektive wird die Geschichte erzählt?
    Verbindung zum Originaltext (Erzählperspektive) und zu den Verfilmungen
  • Welche typischen Elemente des Krimis werden verwendet?
    Vergleich mit anderen Kriminalgeschichten und -romanen
  • Welche sprachlichen Mittel werden verwendet?
    Textanalyse mit Hilfe des Computers
  • Welche Mittel der Bildsprache werden verwendet (im Comic)?
    Welches sind typische Elemente der Bildsprache im Comic?
    Analyse gemäss Scott McClouds „Comics richtig lesen“
  • Wie entstand die Literaturgattung des Krimis?
    Geschichte der Kriminalliteratur, Lesen von frühen Kriminalgeschichte
  • Wie entstand die Literaturgattung des Comics?
    Geschichte des Comics
  • Welches sind wichtige Kriminalromane der Literaturgeschichte
    vergleichende Literatur, Lesen von Kriminalromanen, Schreiben von Kurzzusammenfassungen
  • Welches sind wichtige Krimiautoren?
    Biografien, Untersuchung des zeitlichen und örtlichen Erfolgs von Autoren
  • Welches sind wichtige Figuren in Kriminalromanen?
    Abstraktion der Figuren einzelner Werke auf Prototypen
  • Welche Formen des Kriminalromans gibt es?
    Auseinandersetzung mit der Vielfalt des Kriminalromans
  • Wie ordnest du „Der Richter und sein Henker“ in die Kriminalliteratur ein?
    Literaturvergleich und Einordnung eines literarischen Werkes

Damit wird es möglich, die Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Text auf allgemeine Fragestellungen der Literatur und angrenzender Gebiete zu erweitern, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass Schülerinnen und Schüler unreflektiert Text zusammenkopieren und diesen als ihre eigenen gedanklichen Leistungen abgegeben, nicht weil sie damit glänzen wollen, sondern weil sie sich damit den intellektuellen Anstrengungen entziehen können, die eigentlich wesentlich für eine ernsthafte literarische Auseinandersetzung wären.

Wie gut die Umsetzung eines solchen Projekts gelingt, wird sich zeigen müssen, da diese wesentlich auch vom Engagement von Schülerinnen und Schülern abhängt. Durch die Erweiterung des Bezugsraum entstehen aber neue Zugänge auch für sehr individuelle Interessen, welche die Chance für ein Gelingen wesentlich erhöhen, wobei auch ganz klassische Vorgehensweisen wie die Beschreibung eines Bildes Platz finden können.

Quellen:

  • McCloud, Scott (1994). Comics richtig lesen. Carlsen
  • Moretti, Franco (2005). Graphs, maps, trees. Abstract models for literary history. Verso, London
  • Poe, Edgar Allan. Der Doppelmord in der Rue Morgue (Projekt Gutenberg)
  • Schweighauser, Philipp (2016). Literature in the Digital Age (Online-Kurs auf FutureLearn)

Wie viel Technik braucht die Schule?

Unterschiedlichste Firmen wollen Schulen ihre technischen Lösungen verkaufen, weil die Digitalisierung von Schulen gewinnbringende Geschäfte verspricht: Nebst den eigentlichen digitalen Geräten (Tablets, Computer, …) für die Schülerinnnen und Schüler gehören dazu vor allem Demonstrationsgeräte für Lehrpersonen wie interaktive Bildschirme oder Whiteboards.

Welche Technik ist aber nun wirklich notwendig, damit digitaler Unterricht gelingen kann?

(Anmerkung: Selbstverständlich ist es angenehm, wenn man über verschiedenste Optionen verfügt, allerdings werden einige davon kaum oder nur selten eingesetzt, und jedes Gerät weist auch einen Platzbedarf aus und verringert damit den Bewegungsraum im Schulzimmer.)

Präsentationstechnik

Bei der Präsentationstechnik konkurrieren aktuelle interaktiven Bildschirmen(teilweise mit Übergrösse) mit interaktiven Whiteboards und den klassischen Beamern.

Bildschirme bieten meist eine hervorragende Bildqualität (grosse Auflösung und Helligkeit) aber häufig spiegelt die verwendete Glasoberfläche. Grosse Modelle sind (noch) sehr teuer. Meist werden Bildschirme in eine Wandtafellösung integriert, um so an Wandtafeln orientierten Lehrpersonen entgegenzukommen. Dabei handelt es sich aber fast immer um eine Kompromisslösung, da die Seitenverhältnisse von Bildschirm und Wandtafel schlecht zueinander passen.

Interaktive Whiteboards werden seit vielen Jahren angeboten und basieren darauf, dass ein Bild per Kurzdistanzbeamer auf eine Schreibfläche geworfen wird. Die Bildqualität unterscheidet sich meist nicht von der eines klassischen Beamers. Dafür kann auf dem Whiteboard mit normalen oder digitalen Stiften geschrieben werden. Die versprochene Interaktivität wird selten wirklich im Unterricht umgesetzt, da eine entsprechende „Programmierung“ von Unterrichtselementen mit teilweise proprietären Softwarelösungen die Fähigkeiten der meisten Lehrpersonen ohne entsprechende intensive Schulung übersteigt.

Beamer dienen in der Regel als passive Präsentationstechnik, d.h., die werfen ein Bild an die Wand. Im Gegensatz zu früheren Modellen sind die heutigen Beamer lichtstark, weisen eine hohe Auflösung auf und fallen auch nicht mehr negativ durch störende Lüftergeräusche aus.

Zwar sind die hervorragende Bildqualität moderner Grossbildschirme und die Interaktivität von Whiteboards verlockend, berücksichtigt man aber die aktuellen Preise und die tatsächlich im Unterricht umgesetzten Anwendungsszenarien, empfiehlt sich die Anschaffung eines Beamers. Dies aus drei Gründen:

  1. Da die Beamerlösung wesentlich günstiger ist, kann dieser falls notwendig bereits nach einer vergleichsweisen kurzen Zeit (3-4 Jahre) gegen eine passendere Lösung ausgetauscht werden, während interaktive Whiteboards und Bildschirme viel länger im Einsatz bleiben müssen (ca. 10 Jahre), damit sich deren Anschaffung rechnet.
  2. Beamer sind flexibler: Sie können einfacher neu ausgerichtet werden, falls dies der Unterricht erfordert.
  3. Die fehlende Interaktivität kann durch die Verwendung entsprechender Software (z.B. sogar auf einer Webseite) nachgebaut werden, d.h. Lehrpersonen verwenden von Anfang an offene oder eingekaufte Bildungsressourcen, die unabhängig von der verwendeten Technik funktionieren.

Computer als Lehrerarbeitsgerät

Grundsätzlich verfügen (einmal abgesehen von Billigstgeräten) heute alle Computer über genügend Leistung, um den Anforderungen des Schulalltags zu genügen. Die Eigenschaften eines idealen Lehrerarbeitsgerätes hängen aber auch von den geplanten Lehr- und Lernszenarien ab.

Trotzdem gibt es einige Punkte, auf die man bei der Anschaffung achten sollte:

  • Idealerweise verfügt der Bildschirm über eine hohe Auflösung, welche derjenigen der Präsentationstechnik entspricht. (Stimmen die Auflösungen nicht überein, sind meist unschöne oder sogar störende Anzeigefehler die Folge.)
  • Der Bildschirm muss genügend gross sein. Dies trifft insbesondere für Lehrpersonen zu, deren Augen nicht mehr so leistungsfähig sind.
  • Das Gerät sollte über eine angenehme und zuverlässige Stiftbedienung verfügen, weil das Schreiben auf dem Bildschirm eine Reihe von anderen Geräten (z.B. Visualiser) zumindest teilweise ersetzen kann. Beim Schreiben ist es angenehm, wenn der Bildschirm möglichst heruntergeklappt und idealerweise sogar von der Tastatur entkoppelt werden kann.
  • Der Computer sollte schnell starten. Es ist im Unterricht äusserst unangenehm, wenn Zeit verloren geht, weil ein technisches Gerät noch nicht bereit ist.

Andere Geräte

Scanner: In den meisten Schulhäusern stehen leistungsfähige Kopierer mit einer eingebauten Scanfunktion zu Verfügung, welche handelsübliche Scanner bezüglich Geschwindigkeit und Bedienerfreundlichkeit bei weitem übertreffen. Notfalls kann der Scanner auch durch eine in Lehrer- oder Schülergeräte eingebaute Kameras und entsprechende Software ersetzt werden.

Visualiser: Wird der Visualiser vor allem für das Präsentieren von Arbeitsblättern verwendet, ist ein Computer mit Stiftbedienung meist die bessere Lösung. Nur wenn es darum geht, häufig Realia auf die „Leinwand“ zu bringen, sind Visualiser von Bedeutung. Geometrische Konstruktionen z.B. werden besser mittels einer dynamischen Geometriesoftware (z.B. GeoGebra) durchgeführt, da damit wesentliche Elemente einer Konstruktion besser sichtbar gemacht werden können.

Netzwerktechnik

Weil mit modernen Geräten häufig auf Internetdienste zugegriffen wird, ist eine funktionierende Netzwerktechnik Voraussetzung für eine technisch gelingende Umsetzung digitaler Unterrichtszenarien. Dazu gehört auch die Verwendung entsprechend leistungsstarker Wifi-Zugänge (viele Nutzer gleichzeitig).

Das brauchen Schulen wirklich

Für den normalen Unterricht im Klassenzimmer werden also vor allem ein Beamer, ein Computer mit Stiftbedienung und den Lernszenarien angepasste Schülergeräte benötigt. Die Internetanbindung via WiFi wird dabei vorausgesetzt.

Ein solches Szenario geht davon aus, dass mit den Lehrer- und Schülergeräten auf entsprechende Software zugegriffen werden kann, wobei dafür nebst den üblichen Office-Produkten vor allem ein Notizbuch wie OneNote und ein Lern-Management-System wie Moodle zentrale Rollen spielen. Damit können die meisten proprietären Funktionen von oft teurer Hardware einfach nachgebildet werden.

Ein Blick zurück: Administering School ICT Infrastructure

Mit der Digitalisierung des Unterrichts fallen in Schulen zunehmend auch administrative Arbeiten im ICT-Bereich an, dazu gehören u.a. die Administration des Schulnetzwerkes. Der Kurs „Administering School ICT Infrastructure“ bot dazu zum Jahreswechsel interessierten Lehrpersonen eine Einführung. In sechs Modulen wurden folgende Bereiche thematisiert:

  1. Optimierung des Schulnetzes
  2. WIFI and BOYD
  3. Verlagerung in die Cloud
  4. Sicherheit
  5. Rolle des ICT-Administrators
  6. Werkzeuge und Dienste

Im Rahmen des Kurses entwickelten die Teilnehmenden eine ICT-Entwicklungsplan für ihre eigene Schule. Der Entwurf einen solchen Planes für die Sekundarschule-Romanshorn findet sich hier:

School ICT development plan_EUN_Giger_final

Nebst den eigentlichen Kursinhalten stand vor allem der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen im europäischen Raum im Vordergrund. Dabei wurde bald klar, dass die Schweiz zumindest auf der Ressourcenebene (vorhandene ICT-Infrastruktur) im europäischen Raum im vorderen Drittel mitspielt. Nur wenige Länder verfügen über bessere Möglichkeiten. In Bezug auf die Schulung und die Kompetenz der Lehrpersonen sowie der Umsetzung von ICT im Unterricht scheint die Schweiz aber eher zum Mittelfeld zu gehören. Offensichtlich ist eine gute Ausstattung für eine Umsetzung digitaler Unterrichtsformen nicht hinreichend.

Viele der Kursteilnehmenden waren sich einig, dass die Weiterbildung von Lehrpersonen für die Integration von ICT in den Unterricht eine zentrale Herausforderung darstellt. Einerseits haben noch lange nicht alle Lehrpersonen erkannt, wie sehr die Zeit unterdessen drängt. Andererseits kämpfen selbst interessierte Lehrpersonen mit Zeitproblemen.

Kurs: http://www.europeanschoolnetacademy.eu/web/administering-school-ict-infrastructure-developing-your-knowledge-and-skills

Dieses Zeitproblem in den Griff zu bekommen wird zu einer zentralen Herausforderung für Schulleitende der kommenden Jahre werden. Zwar haben sich innovative Lehrpersonen entsprechende Kompetenzen weitgehend autodidaktisch oder mit Hilfe von Online-Kursen erarbeitet, doch gerade auf diese Bereitschaft kann bei der grossen Gruppe der restlichen Lehrpersonen nicht gezählt werden.

Zudem ist es selbst mit entsprechenden Weiterbildungen nicht getan, denn viele sinnvollen digitalen Lernszenarien befinden sich noch in der Entwicklung. Natürlich kann die digitale Zukunft der Schule mit Hilfe von Kaufapps gestaltet werden, welche Bruchstücke des Lehrplans abdecken. Um eine entsprechende Integration von ICT und insbesondere der informatorischen Bildung zu gewährleisten, müssen aber auch auf Schulebene erst die entsprechenden Ressourcen geschaffen werden.

Der von der European Schoolnet Academy angebotene Kurs liefert dazu einen wichtigen Baustein.

Mehrwert von Onlinekursen

Die traditionelle Weiterbildung von Lehrpersonen folgt zwei Mustern: Entweder bewegen sich die Lehrpersonen an einen Kursort, um sich dort über ein Thema zu informieren, oder aber Kursleitende besuchen die Lehrpersonen ausserhalb des Unterrichts vor Ort in der Schule. Während der Kursbesuch an verschiedenen Institutionen – sofern er freiwillig erfolgt – mindestens einigermassen auf die Interessen der Lehrpersonen eingehen kann, ist dies bei vielen SCHILF-Veranstaltungen nicht der Fall. Allzuhäufig wird dort allen Lehrpersonen – ob in Bezug auf das Thema kompetent oder nicht – ein Einheitsbrei verabreicht, der die einen unter- die anderen überfordert.

Ein Ausweg aus diesem ewigen Kreislauf von Informationen, Austausch (häufig mit Hilfe von Flipcharts) und geringer Nachhaltigkeit (nach dem Kurs steht bald wieder der Alltag im Zentrum), bieten Kurse, welche Online angeboten werden.

Vorteile von Online-Kursen

Online-Kurse bieten gegenüber Präsenzkursen – einmal abgesehen vom Nachteil, dass man sich nicht von Angesicht zu Angesicht austauschen kann – eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Es ist keine Anreise notwendig. Die damit freiwerdende Zeit kann entweder in die Vorbereitung von Unterricht oder weiteres Lernen investiert werden.
  • Online-Kurse können zeitlich flexibel absolviert werden. Häufig ist es aus zeitlichen Gründen gar nicht möglich, einen Präsenzkurs zu besuchen. Oder kurzfristige Belastungsspitzen im Schulalltag führen dazu, dass ein Kurs nicht wie gewünscht bearbeitet werden kann. Die Flexibilität von Online-Kurse schafft hier Abhilfe.
  • Online-Kurse können häufig im Detail und unverbindlich bearbeitet werden. Bei Präsenzkursen muss der Kurs häufig schon Wochen vorher gebucht werden, ohne dass wirklich klar ist, in welcher Tiefe die aufgelisteten Details behandelt werden. Bei Online-Kurse ist ein Ausstieg jederzeit möglich – und diese Option wird auch häufig wahrgenommen. Bei einem Präsenzkurs bleiben die Teilnehmer, auch wenn dieser wenig zu bieten hat, weil die Anfahrtskosten mit in die Kalkulation einbezogen werden – und auch aus Pietät zu den Kursleitenden.
  • Online-Kurse können im eigenen Lerntempo bearbeitet werden und müssen nicht im Gleichschritt mit anderen Kursteilnehmern absolviert werden.
  • Online-Kurse sind häufig günstiger als Präsenzveranstaltungen auch wenn z.B. ein entsprechendes Kurszertifikat nur gegen Bezahlung abgegeben wird.

Nachteile von Online-Kursen

Nicht alle Inhalte können sinnvoll in einem Online-Kurs vermittelt werden, dazu gehören beispielsweise Werkkurse, an denen spezielle Techniken vermittelt werden. Häufig sind die Kursinhalte der pädagogischen Hochschulen aber intellektuell ausgerichtet und dort ist ein Ersatz problemlos möglich.

Die Kursteilnehmenden kommen mit der Freiheit in Online-Kursen nicht klar, denn die Absolvierung dieser Art der Weiterbildung erfordert ein hohes Mass von Selbstdisziplin und Durchhaltewillen.

Online-Kurse sind für die Schulentwicklung bedeutsam

Lehrpersonen und Kursleiter bewegen sich immer im gleichen System. Häufig ist man sich über Dinge einig, welche keineswegs selbstverständlich sind. In diesem Umfeld fällt es nicht einmal mehr auf, wie viele ungeschriebene und nie explizit formulierte Normen gelten und damit auch den Schulalltag prägen.

Online-Kurse sind ein hervorragendes Mittel, den Horizont zu erweitern und die eigene Haltung gezielt zu hinterfragen, denn zumindest in internationalen Kursen sorgt die Vielfalt der Teilnehmenden dafür, dass ganz unterschiedliche Aspekte in den gemeinsamen Austausch einfliessen. Dabei kommen auch Minderheiten zu Wort, die sich in traditionellen Kursgefässen entweder schon gar nicht zu Wort melden, oder aber deren Stimmen nicht gehört werden.

Entsprechende Fragestellungen, seien sie teilweise auch banal, können dazu führen, die Vielfalt der Schulsysteme, in welchen Kursteilnehmende tätig sind, sichtbar zu machen und damit den Teilnehmenden, die Augen für Neues zu öffnen.

Gleichzeitig führt der Austausch aber auch dazu, dass romantische Vorstellungen von anderen Schulsystemen durch die konkreten Aussagen von darin tätigen Lehrpersonen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

Manchmal wird ein Kurs nur online angeboten

Studiert man die Kursverzeichnisse von professionellen traditionellen Anbietern (PHs), dann wird relativ schnell klar, dass diese sehr häufig auf Trends reagieren: So gab es bis vor kurzem zahlreiche Kurse, welche sich mit dem altersdurchmischten Lernen beschäftigen, während gleichzeitig im ICT-Bereich kaum Inhalte angeboten wurden. Ein solches auf die Masse zugeschnittenes Kursangebot deckt die Bedürfnisse der meisten Lehrpersonen ab und ist wirtschaftlich sinnvoll. Allzu oft aber werden innovative Kursangebote der pädagogischen Hochschulen dadurch verhindert, dass sich dafür nicht genügend Teilnehmende einschreiben. Diese Einschränkungen sind aber insbesondere für Lehrpersonen wenig hilfreich, welche nach vertieften Kursmöglichkeiten suchen oder Spezialinteressen haben. Und gerade diese Spezialinteressen werden mit einer vertieften Professionalisierung des Berufsstandes immer wichtiger.

Hier bieten Online-Kurse die Möglichkeit, auch auf Bedürfnisse einzugehen, für welche vor Ort nicht genügend Interesse vorhanden ist. Erst dadurch wird es aber möglich, dass die betroffenen Lehrpersonen sich weiterbilden und als Innovationsträger an einer Schule wirken können.

Die Zukunft von Online-Kursen

In den letzten Jahren haben vor allem sogenannte MOOCs (massiv open online courses) stark an Bedeutung gewonnen. Unterdessen ist diese Form von Bildungsangeboten auch erfolgreich kommerzialisiert worden – allerdings auch auf Kosten der Vielfalt von möglichen Kursformen.

Mit dem Fortschritt der Technik – es wird immer leichter, Inhalte anzubieten – sollte es aber auch kleineren Institutionen und sogar einzelnen Lehrpersonen weit einfacher möglich werden, interessante Inhalte für Kolleginnen und Kollegen anzubieten. Dafür gibt es bereits erste Beispiele.

Wahrscheinlich wird sich deshalb neben den „offiziellen“ MOOCs eine Szene entwickeln, in welcher sich interessierte Lehrpersonen im Rahmen eines Themas noch spontaner vernetzen und voneinander lernen können.

Ein Blick zurück: Code yourself!

Code yourself! ist ein auf Coursera angebotener Kurs, welcher Schülerinnen und Schüler in die Programmierung mit Scratch einführt. Allerdings ist der Kurs so gut gemacht, dass er sich auch für Lehrpersonen eignet, die sich im Hinblick auf den Lehrplan 21 entsprechende informatorische Konzepte aneignen wollen.

Kurs: https://www.coursera.org/learn/intro-programming

Scratch nutzt Blockbefehle

Scratch wurde vom MIT bereits 2007 entwickelt und in der Schweiz sicher ab 2008 erfolgreich im Unterricht eingesetzt. Mit verantwortlich für den anhaltenden Erfolg der Programmiersprache dürfte der Umstand sein, dass Teile des Computerprogrammes nicht von Hand geschrieben werden müssen, sondern aus sogenannten Blockbefehlen zusammengesetzt werden können:

Beispiel eines Scratchprogramms
In Scratch können vorgefertigte Befehle verwendet werden.

Damit wird insbesondere das Entstehen von Programmen verhindert, welche aufgrund von Tippfehlern nicht funktionieren.

Ein weiterer Vorteil von Scratch ist, dass die Programmiersprache von Anfang an im Hinblick auf Animationen und Computerspiele entwickelt wurde. Zum Erfolg trägt sicherlich auch bei, dass Codebeispiele problemlos veröffentlicht werden können. Dadurch ist eine „Programmierszene“ entstanden, in welcher aufbauend auf Versuchen anderer, Programme laufend weiterentwickelt werden können.

Scratch: https://scratch.mit.edu

Der Kurs beginnt ganz am Anfang

Die Kursverantwortlichen führen schrittweise in die Bedienung von Scratch ein. Schon mit wenigen Befehlen können erste Aufgabenstellungen erfolgreich gelöst werden. Dabei kommen aber informatorische Konzepte keineswegs zu kurz, denn diese werden gezielt durch entsprechende Programmieraufgaben provoziert.

Der Kurs setzt auf Spiele

In vielen Anfängerkursen wird erst einmal vermittelt, wie ein Käfer oder eine andere Figur über den Bildschirm bewegt werden kann. Anschliessend müssen dann komplexere Bewegungsmuster programmiert werden, wodurch Teilnehmende nicht nur durch den zunehmenden Schwierigkeitsgrad frustriert werden, sondern bald auch durch die grundsätzlich gleichbleibenden Aufgabentypen Langeweile entwickeln.

Nicht so in „Code Yourself!“. In diesem Kurs werden wichtige Konzepte anhand bekannter und beliebter Spielideen aufgebaut. So lernen die Kursteilnehmenden z.B. wie ein „Zombie and Flowers“-Clone erstellt werden kann. Die eigentlichen Programmierbefehle dazu sind einfach, die dahinterliegenden Konzepte nicht. Denn die Beispiele nutzen die Stärken der Programmiersprache Scratch gezielt, um motivierende Herausforderungen anzubieten.

Lehrplan 21

Die im vorgestellten Kurs angebotenen Inhalte decken einen grossen Teil der informatorischen Bildung ab, wie sie im Lehrplan 21 gefordert wird. Für interessierte Lehrpersonen gibt es deshalb – einmal abgesehen von der Kurssprache Englisch – keinen Grund, sich nicht auf den Kurs einzulassen. Dies insbesondere auch deshalb, weil die gezeigten Beispiele nicht nur direkt im Unterricht eingesetzt werden können (und dies mit minimal notwendigen Anpassungen), sondern auch deshalb, weil der motivierende Kurs schlichtweg einfach viel Freue bereitet.

Lehrplanmodul „Medien und Informatik“: http://tg.lehrplan.ch/index.php?code=b|10|0&la=yes

Interessante Kurse im Februar 2017

Für Lehrpersonen, die sich in den Bereichen Medien und Informatik sowie Unterrichtsmethodik selbständig weiterbilden möchten, werden im Februar eine ganze Reihe von interessanten Kursen angeboten:

Digitalisierung erzeugt keine Unterrichtsqualität

Bedingt durch gesellschaftliche und technische Entwicklungen sowie explizit ausformulierte Kompetenzen im neuen Lehrplan (Modul Medien und Informatik) steigt der Druck auf die Schulen, den Unterricht zu digitalisieren. Sind die entsprechenden Investitionen einmal getätigt – Ausbau der Internetverbindung, Ausbau der Wifi-Abdeckung, Anschaffung von Geräten oder Einführung von BOYD (bring your own device) -, glauben sich Verantwortliche häufig schon am Ziel, da ein entsprechender finanzieller und personeller Aufwand getätigt werden musste.

In Wirklichkeit sind damit aber erst die Bedingungen geschaffen worden, einen ersten Schritt hin zur Digitalisierung von Unterricht zu tun. Während einige Lehrpersonen sich mit viel Elan in das neue Abenteuer werfen, um bald einmal ernüchtert festzustellen, dass damit auch ein enormer Aufwand verbunden ist, sind andere davon überzeugt, dass der Ersatz von Papierkopien durch digitale Dateien und die Informationssuche mit Google bereits einer vollständigen Umsetzung digitalen Unterrichts entsprechen.

Setzt es sich eine Schule zum Ziel, die Möglichkeiten der digitalen Technologie tatsächlich zu nutzen, bedarf es aber weit mehr. Dazu gehören unter anderen:

  • die gezielte Entwicklung digitaler Unterrichtszenarien und deren laufender Überprüfung auf Wirksamkeit;
  • die fortlaufende Bereitschaft von Lehrpersonen, die Möglichkeiten neuer digitaler Werkzeuge im Hinblick auf die Unterrichtsrelevanz zu erkunden;
  • die Entwicklung von Lerngruppen für Lehrpersonen und in einem weiteren Schritt darüber hinaus für weitere interessierte Kreise.

All diese Aktivitäten benötigen entsprechende zeitliche (und teilweise auch finanzielle) Ressourcen, welche die Anschaffungskosten der entsprechenden Geräte langfristig deutlich übersteigen können.

Nur wenn sich Schulen dieser Folgekosten bewusst sind und über die Bereitschaft verfügen, diese aufzubringen, wird die Einführung digitaler Technologien zu einer nachhaltigen Bereicherung des Unterrichts beitragen und zu einer laufenden Verbesserung der Lernerfahrung von Schülerinnen und Schülern führen.

Software für das Klassenzimmer

Die Digitalisierung des Unterrichts fällt vielen Lehrpersonen schwer, weil sie sich in der Flut der möglichen Geräte, Programme und Webtools nicht zurechtfinden. Wird diese Anfangshürde nicht überwunden, dann bleiben viele Möglichkeiten ungenutzt.

Aus diesem Grund sollen hier einige wenige Werkzeuge vorgestellt werden, welche im Unterricht an der Sekundarschule Romanshorn-Salmsach tatsächlich zum Einsatz kommen. Eigentlich sind es verblüffend wenige.

  • Suchmaschinen (z.B. Google oder Bing): Suchmaschinen dienen als Verzeichnis zur „Bibliothek“ des Internets. Sie helfen dabei, rasch gesuchte Informationen zu finden. Nebst Webseiten kann beispielsweise auch nach Abbildungen gesucht werden.
    Typisches Beispiel: Verwendung einer Inforgrafik zur Veranschaulichung eines Sachverhalts
  • Videoplattformen (z.B. Youtube oder SRF): Videoplattformen helfen dabei, den Unterricht durch Bewegtbilder zu bereichern.
    Typisches Beispiel: Verwendung eines Popsongs im Fremdsprachenunterricht, um eine Sprachstruktur einzuüben.
  • Lern-Management-System (z.B. Moodle): Das Lernmanagementsystem (LMS) hilft dabei, Materialien für Schülerinnen  und Schüler bereitzustellen, Hausaufgaben einzusammeln und Prüfungen durchzuführen.
    Typisches Beispiel: Lösen einer Grammatikprüfung im Deutschunterricht
  • OneNote (Notizbuch) mit Class Notebook: Die Notizbuchsoftware OneNote dient dazu, Schülerinnen und Schülern Materialien zu verteilen (Arbeitsblätter, Lösungsnotizen, Fotos) und kann zur gemeinsamen Arbeit an einer Aufgabenstellung genutzt werden.
    Typisches Beispiel: gemeinsames Planen einer Videoproduktion
  • Dynamische Geometrie-Software (z.B. GeoGebra): Mit einer Dynamische oder Interaktiven Geometrie-Software können geometrische und mathematische Sachverhalte veranschaulicht, animiert und simuliert werden.
    Typisches Beispiel: den Zusammenhang zwischen einer Gefässform und einem Füllgraphen veranschaulichen
  • Online-Anschlagbrett (z.B. Padlet): Ein Online-Anschlagbrett dient dazu, unterschiedliche Medien zu sammen: Texte, Bilder, Filme, Tonaufnahmen, Dokumente.
    Typisches Beispiel: bestes Foto von einem Ausflug posten und kommentieren

Von den genannten sechs Beispielen sind drei (Suchmaschine, Videoplattform und Online-Anschlagbrett) sehr einfach zu bedienen und können sofort im Unterricht genutzt werden.

Notizbücher und Dynamische Geometriesoftware fordern der Lehrperson und den Schülerinnen und Schülern Einarbeitungszeit ab, bevor diese Werkzeuge sinnvoll genutzt werden können.

Am meisten Aufwand für die Lehrperson bringt die Einführung eines Lernmanagementsystems mit sich, weil einerseits entsprechende Materialien aufgearbeitet und sinnvoll gegliedert werden müssen, andererseits die Komplexität der entsprechenden Software viel Einarbeitungszeit fordert. Hier gilt allerdings: Beherrscht man die Funktionen des entsprechenden LMS, wird die Organisation des Unterrichts nachhaltig vereinfacht und es eröffnen sich Möglichkeiten, welche mit anderen Werkzeugen nur sehr umständlich oder gar nicht umgesetzt werden können.

Viele weitere Web 2.0 Werkzeuge und Softwareprogramme kommen zwar im Unterricht ebenfalls zum Einsatz, sie sind aber von untergeordneter Bedeutung und meist für das Unterrichtsgeschehen nicht zentral.

Bevor also bei der Bemühung den Unterricht zu digitalisieren eine Vielfalt von Programmen, Diensten und Geräten in Betracht gezogen werden, sollte man zwei Fragen beantworten können:

  • Was soll mit dem Einsatz des Werkzeugs erreicht werden?
  • Weshalb ist gerade diese Werkzeug dazu besser geeignet als ein anderes?

Die Beantwortung dieser beiden Fragen führt vielleicht auch zur Erkenntnis, dass eine Digitalisierung für ein konkretes Unterrichtsziel weniger zielführend ist, als eine bereits bekannte Vorgehensweise. Vom blossen Einsatz digitaler Möglichkeiten ist immer dann abzuraten, wenn der Lehrperson selbst nicht klar ist, wozu dieser Einsatz eigentlich gut sein soll.

Arbeitsblätter im digitalen Zeitalter

Ein zentrales Arbeitsinstrument im Unterricht der letzten drei Jahrzehnte war das Arbeitsblatt. Musste dies vor der Verbreitung von Kopierern mühsam mit Hilfe von Umdruckern hergestellt werden, wobei die entsprechenden Matrizen häufig von Hand geschrieben wurden, ermöglichte der Kopierer die Verbreitung von drucktechnisch immer anspruchsvolleren Unterlagen. Dabei ging manchmal vergessen, dass Unterricht nicht nur aus dem Ausfüllen von Lückentexten und der Beschriftung von Bildelementen lebt. Auch die offiziellen Lehrmittel erfüllten die Erwartungen. Nebst den eigentlichen Schulbüchern lieferten sie Ordner von Arbeitsblättern, welche eine Differenzierung des Unterrichts ermöglichen sollten.

War das Kopieren eines Arbeitsblattes am Anfang also noch eine von der Lehrperson frei gewählte Handlung mit dem Ziel, den eigenen Unterricht zu bereichern, wurde diese bald zu einem Muss. Ganze Stapel von losen Blättern wurden kopiert, verteilt, wieder eingesammelt und teilweise sogar korrigiert. Diese Entwicklung hat in den letzten Jahren wahrscheinlich einen Höhepunkt erreicht.

Mit der Digitalisierung des Unterrichts und dem Einsatz von 1:1-Geräten im Unterricht stellt sich aber die Frage: Ist das Arbeitsblatt auf Papier noch zeitgemäss?

  • In vielen Fällen lautet die Antwort „Nein“. Nämlich immer dann, wenn auch einem Arbeitsblatt eindeutige Antworten eingetragen werden. In diesen Fällen ist es sinnvoll, das entsprechende Arbeitsblatt zu digitalisieren, weil dann der Aufwand für das Kopieren, Verteilen, Einsammeln und Korrigieren wegfällt. Die Digitalisierung ist auch deshalb sinnvoll, weil Schülerinnen und Schüler solche „Arbeitsblätter“ unabhängig von der Lehrperson bearbeiten können.
  • Wenn es darum geht, Informationen festzuhalten, welche nicht eindeutig richtig oder falsch sind, ist das Arbeitsblatt vielleicht weiterhin sinnvoll. Vor allem dann, wenn die unterrichtende Lehrperson nicht über das technische Wissen und Können verfügt, die entsprechenden Schülerantworten in einer digitalen Form einzuholen.
  • Sinnvoll kann ein Arbeitsblatt auch dann sein, wenn die Handschriftlichkeit und das Anfertigen von Notizen Ziel des Unterrichts sind, allerdings gibt es auch hier bereits digitale Alternativen.

Das Arbeitsblatt wird also nicht vollständig verschwinden, aber es wird seine vorherrschende Stellung verlieren, welche es im heutigen Unterricht einnimmt. Da sich mit der Digitalisierung von Unterricht gleichzeitig zahlreiche neue Möglichkeiten ergeben, wie Schülerinnen und Schüler ihr Wissen und Können im Unterricht unter Beweis stellen können, führt die Verringerung der Anzahl der Arbeitsblattkopien zu einer eigentlichen Bereicherung des Unterrichts. In diesem Falle ist weniger tatsächlich mehr.