Online-Verhalten mit sozialem Lesen üben

Dieser Text ist eine Übersetzung aus dem Englischen und entstand im Rahmen des Kurses „Online Safety“ der European Schoolnet Academy.

Motivation

Wir ermahnen unsere Kinder und Schüler zu vorsichtigem Verhalten, wenn sie Beiträge in sozialen Netzwerken veröffentlichen wollen. Gleichzeitig raten Experten Lehrpersonen, sich in sozialen Netzwerken zu engagieren, damit sie ein Verständnis entwickeln können, welchen Herausforderungen die junge Generation heute gegenübersteht. Dabei sprechen sie von Sexting, Sextortion, Bullying und Hate speech. Dann schaue ich mir meine eigenen Aktivitäten auf sozialen Netzwerken an (nicht Facebook und ähnliche). Netzwerke, in denen sich Menschen gegenseitig technische Hilfe leisten, Rat geben und Probleme lösen. In diesen Netzwerken sind die oben genannten Probleme kaum präsent. Daher gehe ich davon aus, dass die Probleme, mit denen einige Netzwerke kämpfen, durch eine alles andere als ideale Sozialisierung ihrer Mitglieder entstehen. Offensichtlich wissen diese Menschen nicht, wie man soziale Medien und das Internet dazu nutzt, mit anderen zu kommunizieren. Und genau dies möchte ich meinen Schülerinnen und Schülern beibringen.

Aber wie macht man das? Selbstverständlich können Richtlinien und Verhaltensregeln eine Hilfe sein, aber meistens bleiben sie abstrakt und sie werden nicht immer erfolgreich in die Praxis umgesetzt.

Technischer Hintergrund (hilfreich aber nicht notwendig)

Seit vielen Jahren steht an der Sekundarschule Romanshorn-Salmsach ein Lernmanagement-System auf der Basis von Moodle zu Verfügung, welches Lernende nutzen können, um mit Online-Übungen zu lernen und Mitteilungen mit anderen auszutauschen. In der Regel blieb dieser Austausch jedoch informell. Die Installation des Content Pages Plugins ermöglichte einen Ansatz, der darüber hinausgeht, da es diese Erweiterung erlaubt, Materialien zu präsentieren, die dann von den Schülerinnen und Schülern auf einfache Weise kommentiert werden können. Dazu gehört auch die Möglichkeit, Kommentare zu kommentieren.

Die Aktivität

Für die Aktivität selbst, wurde ein Onlinetext von etwa 100 Seiten in eine Content Pages Aktivität eingebunden. Der Text beschreibt einige Wochen im Leben eines Mädchens, welches sich selbst für unbeliebt hält und mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat. Jeder Anschnitt der Erzählung (jeweils etwa ein halbes Kapitel) wurde mit Fragen ergänzt. Die Fragen nahmen nicht direkt Bezug auf die Geschichte, sondern sie zielten auf ähnliche Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler. Einige der Fragen waren ziemlich harmlos, z.B. die Frage nach dem Lieblingsessen, andere waren persönlicher, wenn beispielsweise eine erste Beziehung Thema war.

Für jeden Abschnitt (d.h. jede Seite in Content Pages) mussten die Schülerinnen und Schüler mindestens eine der Fragen beantworten. Dabei ist zu beachten, dass immer eine Reihe von verschiedenen Fragen zu Verfügung standen. Von Anfang an machte ich die Schüler immer wieder ausdrücklich darauf aufmerksam, dass ich jeweils einen Beitrag erwarte. Aber es sei ihre Aufgabe während des Austausches, sich immer wieder Gedanken darüber zu machen, welche private Informationen sie gegenüber anderen enthüllen möchten.

Die Ergebnisse

Die Aktivität verfolgte zwei Ziele: Einerseits sollten die Schülerinnen und Schüler einen längeren fiktionalen Text lesen, andererseits dazu persönlich Stellung nehmen.  Sie war sehr erfolgreich: Die Schüler lasen den Text mit grossem Interesse. Aus einer traditionellen Leseaktivität wurde ein soziales Leseerlebnis, an dem sie sich sehr aktiv beteiligten. Sie lasen ein Stück des Textes, wählten eine Frage aus, beantworteten sie – und dann warteten sie gespannt darauf, was andere aus der Klasse zum gleichen Thema schreiben würden. Die Schülerinnen und Schüler bewegten sich im Text vorwärts und zurück – und da die Aktivität vorwiegend während der Unterrichtszeit  im Klassenzimmer ihren Lauf nahm, entstanden Diskussionen on- und offline.

Die Aktivität bot den Schülerinnen und Schüler viele Möglichkeiten, über potentiell problematische Beitrage nachzudenken. Und sie gab ihnen einen Einblick, wie unterschiedlich verschiedene Menschen eine Situation wahrnehmen und darauf in ihrem Leben reagieren. Dieser Umstand war für einige Schülerinnen und Schüler eine eigentliche Offenbarung. Dieses Vorgehen trug aber nicht nur zum Bewusstsein bei, wie man sich online verhalten sollte und wie man mit unterschiedlichen Ansichten umgeht, sie führte die Klasse auch näher zusammen und schaffte eine soziale Grundlage, welche nach über einem halben Jahr immer noch sichtbar ist.

Zusätzliche Bemerkungen

Im beschriebenen Beispiel arbeiteten die Schülerinnen und Schüler ziemlich lange an einem grösseren Text. Selbstverständlich ist es möglich, mit dem beschriebenen Vorgehen auch mit kürzeren Texten zu arbeiten.

Für ein anderes Mal möchte ich meine Klasse mit einem kontroversen Thema arbeiten und dieses in der beschriebenen Art diskutieren lassen.

Fragen und Antworten

Weshalb hast du für die Aktivität nicht einfach ein Forum verwendet?

Moodle stellt verschiedene Formen von Foren zu Verfügung. Ich bin aber der Meinung, dass es durch Content Pages für Lehrperson und Schüler einfach wird, einen Inhalt und gegenseitige Bemerkungen zu kommentieren.

Ist es möglich, die Inhalte zu erweitern, nachdem die Lernenden mit der Arbeit begonnen haben?

Ja, weitere Inhalte können jederzeit eingefügt werden. Allenfalls ändert sich dadurch die Nummerierung einer Seite.

Schülerinnen und Schüler können auch Fragen stellen. Hast du das versucht?

Das haben wir ausprobiert. Für die Schülerinnen und Schüler war es aber schwierig, gute Fragen zu stellen. Abgesehen davon, ging es bei dieser Aktivität vor allem darum, gestellte Fragen zu beantworten.

Was für Fragen hast du den Schülern gestellt?

Ich stellte Fragen zu ihrem Alltag, ihrer Familie, ihren moralischen Vorstellungen und so weiter. Die meisten Fragen waren offen formuliert, damit die Schülerinnen und Schüler diese aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven beantworten konnten.

Wie gross war der Zeitaufwand für die Vorbereitung?

Es war gar nicht so einfach, den Text sinnvoll zu zerlegen und zu jedem Teil sinnvolle Fragen zu stellen, ohne sich zu wiederholen. Am Schluss kamen mehrere hundert Fragen zusammen.

Eigentlich hatte ich gar nicht beabsichtigt, den ganzen Text auf diese Wiese zu lesen. Zuerst dachte ich, dass wir es bei 3-4 Kapiteln belassen würden. Aber die Schülerinnen und Schüler waren mit so grosser Begeisterung dabei und übten auch entsprechenden „Druck“ aus, dass ich mich entschied, mit der Aktivität fortzufahren. So kam es, dass die Antworten der Schülerinnen und Schüler aus den früheren Kapiteln auch einen Einfluss auf die späteren Fragen hatten.

Wie sah eine typische Lektion aus?

Die Schüler sassen vor ihren mobilen Computern und lasen und schrieben. Immer wieder huschte ein Lächeln über das Gesicht einer Schülerin oder eine Schüler, wenn sie einen Kommentar lasen, den sie nachvollziehen konnten. Manchmal schwappte eine Welle der Aufregung durch den ganzen Raum, wenn jemand einen Kommentar geschrieben hatte, der die Gefühle der anderen gut ausdrückte.

Planst du weitere solche Aktivitäten?

Ja, in meinen Augen hat diese Art von sozialem Lesen im traditionellen Unterricht viel Potential und lohnt sich aus verschiedenen Gründen.

Was würdest du ein anderes Mal ändern?

Was ich gerne von meinen Schüler sehen würde, dass sie vermehrt auch auf die Kommentare der anderen eingehen und damit den Austausch verstärken. Und ich würde die Schüler gerne dazu ermuntern, selbst mehr Fragen zu stellen – und dies nicht nur, um meine eigene Arbeitsbelastung zu verringern.

Ein Blick auf das Plugin und die Diskussion

Regeln zur Aktivität

Mit meinem Beiträgen zeige ich, dass ich den Inhalt gelesen und über meine eigenen Erfahrungen nachgedacht haben.

Wir kommentieren so, dass wir die Privatsphäre von uns und anderen nicht verletzen.

In unserem Kommentaren sind wir freundlich und hilfreich.

Zu einem bestimmten Thema dürfen wir unterschiedliche Ansichten und Meinungen haben.

Beispiele von Antworten der Schülerinnen und Schüler

Funktionen des Plugins

Die Schülerinnen und Schüler können Kommentare oder Fragen schreiben. Sie können Kommentare gegenseitig kommentieren oder bewerten (liken).

Falls nötig kann die Lehrperson alle Beiträge ändern oder löschen.

Da die Aktivität in Moodle eingebettet ist, stehen die entsprechenden Gruppenfunktionen zu Verfügung. Die Aktivität kann also nur einer bestimmten Gruppe von Personen zugänglich gemacht werden.

Rückblick auf den Open Education Day

Der Open Education Day vom 29. April 2017 bot einmal mehr ein reichhaltiges Programm für Interessierte. Der Vormittag war für Vorträge reserviert, am Nachmittag wurden verschiedene Workshops angeboten.

Highlights vom Vormittag

Simon Schlauri, Titularprofessor an der Universität Zürich zeigte auf, welche rechtlichen Aspekte bei der Verwendung von Open Educational Resources zu beachten sind.

Falls ein vertieftes Interesse für die Thematik vorhanden ist, empfiehlt sich der iMooX-Kurz zu Open Educational Resources (COER17), der zum wiederholten Male durchgeführt wird.

Adriana Mikolaskova vom Gymnasium Rämibühl stellte unter dem Titel „Freie Grafikprogramme für den Unterricht“ u.a. folgende Programme kurz vor:

  • Gimp (https://www.gimp.org) ist ein sehr leistungsstarkes und flexible anpassbares Grafikprogramm für die Bearbeitung von Fotografien.
  • Krita (https://krita.org) ist ein Grafikprogramm, welches vor allem für das digitale Malen entwickelt wurde.
  • InkScape (https://inkscape.org/de/) ist ein leistungsfähiges Programm zum Erstellen von Vektorgrafiken, welches auch das SVG-Format beherrscht.

Alle Programme werden von einer engagierten Gemeinschaft gepflegt und sind gut dokumentiert. Sie eignen sich deshalb für den Einsatz im Unterricht ab der Sekundarstufe I.

Programm am Nachmittag

Am Nachmittag wurden verschiedene Workshops angeboten. Da ich selbst einen Workshop zum Thema „Mathematikunterricht mit Moodle auf der Sekundarstufe I“ hielt, war es mir nicht möglich, an einem Workshop teilzunehmen. Am meisten interessiert hätten mich der Processing Workshop von Erich Buri (linuxola) und die Einführung in SonicPi von Christian Diets (PH Bern).

Abgeschlossen wurde die Tagung von mehreren Kurzvorträgen u.a. zu einem Projekt von Studierenden der FHNW, die an einer freien Alternative zum TeamViewer arbeiten.

Kontakte knüpfen

Nebst dem offiziellen Programm boten die Pausen und das Mittagessen, sich mit anderen Tagungsteilnehmenden auszutauschen. Der Thurgau war breit vertreten: Personen aus der PHTG, aus Schulbehörden und mehrere Lehrpersonen der Volksschule waren anwesend.

Interessantes wusste Nicolas Fahrni (FHNW) zu berichten, dem es in der Zwischenzeit gelungen ist, das schoolmaps-Projekt auch in andere Landesteile zu bringen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Open Education“ in der Schweiz zwar offiziell wenig Aufmerksamkeit erregt, aber auf verschiedensten Ebenen eine wichtige Rolle spielt und unterdessen über „Open Source“-Programme hinausgeht. Sei dies in der Form von Serversoftware, der Grundlage von Lernplattformen, Dienstleistungen wie dem Kartenviewer des Bundes oder aber zahlreichen lehrplanrelevanten Anwendungen u.a. aus den Bereichen Office, Grafik und Programmierung. Vielleicht ist dies auch ein Zeichen dafür, welchen hohen Qualitätsstand einzelne Lösungen unterdessen erreicht haben.

Kritisch anzumerken ist, dass es den Schulen bisher kaum gelungen ist, sich im Bereicht Open Education zu profilieren. Dazu ist die Anbindung an kommerzielle Anbieter (Software, Lehrmittel) immer noch zu gross.

H5P – Ein Werkzeug für den Unterricht

Der vom Lehrplan 21 geforderte kompetenzorientierte Unterricht lässt sich nur umsetzen, wenn Schülerinnen und Schüler ihren Lernprozess aktiv gestalten. Dies schliesst ein:

  • eigene Fragen stellen,
  • mit anderen zusammenarbeiten,
  • selbst produktiv tätig sein.

All dies ermöglicht ein Werkzeug, das in den vergangenen Monaten stark weiterentwickelt wurde: H5P.

Was ist H5P?

H5P ist eine Werkzeugsammlung, die es auf einfache Art und Weise ermöglicht, eigene (interaktive) Webinhalte zu gestalten.

Weshalb gerade H5P?

Werkzeuge für das Web gibt es viele. Was H5P auszeichnet sind die einfache Oberfläche, die konsequente Verwendung aktueller Webtechnologien, die gute Einbindung in bestehende Umgebungen wie WordPress oder Moodle und die Tatsache, dass alle Werkzeuge frei zu Verfügung stehen?

Wie setzt man H5P im Unterricht ein?

Einerseits kann die Lehrperson damit für Schülerinnen und Schüler einfach interaktive Webinhalte gestalten. Andererseits eignet sich das Werkzeug aber auch dafür, dass Schülerinnen und Schüler das Werkzeug zum Gestalten eigener Inhalte nutzen.

Ein Beispiel aus dem Unterricht

SRF bietet unter dem Titel „Berufswelt“ eine Vielzahl von Kurzfilmen rund um die Berufswahl an. Besonders interessant sind die rund 15 Minuten langen Berufsbilder. Im traditionellen Unterricht konnten die Schülerinnen und Schüler sich gemeinsam einen solchen Film anschauen. Anschliessend wurden wesentliche Punkte in der Klasse besprochen.

Mit dem Einzug der Digitalisierung und dem Einsatz von H5P öffnen sich nun neue Möglichkeiten. Die Schülerinnen und Schüler können sich unterschiedliche Berufsbilder anschauen, diese in H5P mit Fragen anreichern und sie anderen Schülerinnen und Schülern zu Verfügung stellen.

Dadurch wird nicht nur die Aufmerksamkeit beim Schauen der Kurzporträts gefördert, die Schülerinnen und Schüler achten auch vermehrt auf die inhaltlichen Kernaussagen.

Theorie oder Praxis?

Die eben beschriebene Unterrichtsaktivität wurde an der Sekundarschule Romanshorn-Salmsach kürzlich umgesetzt.

Dieses Beispiel zeigt, wie ein mögliches Endprodukt aussehen kann.

Welche Schwierigkeiten gibt es mit der Umsetzung?

Ist H5P einmal installiert,  z.B. als Plugin in Moodle, kommen die Schülerinnen und Schüler schnell mit der Technik zurecht. Weit mehr Schwierigkeiten bereitet ihnen das Schreiben entsprechender Fragen. Auch die Formulierung von plausiblen, aber trotzdem falschen möglichen Antworten fällt nicht allen leicht.

Worauf sollte man achten?

Wenn H5P in eine Webplattform wie Moodle eingebunden wird, ist es beim Erstellen der Fragen wichtig, dass die richtige Sprache eingestellt ist. Sonst kann es passieren, dass englische Textelemente mit in das Quiz einfliessen.

Empfehlung

Der Einsatz von H5P lohnt sich im Unterricht. Das gefällige Design spricht an und gerade weil die technischen Hürden so tief sind, eignet sich das Werkzeug für den Unterricht. Denn H5P lässt eine Konzentration auf das Wesentliche zu: auf die Verwendung der Sprache.

Open Education Day

Am 29. April findet an der FHNW in Brugg-Windisch der Open Education Day statt.

Link: http://www.open-education-day.ch

Vorträge, Kurzvorstellungen und Workshops richten sich an Lehrpersonen und Ausbildungsverantwortliche, die sich für Open Source, Open Content und Open Hardware interessieren.

Anlässlich dieser Veranstaltung werde ich einen Workshop zu Mathematikunterricht mit Moodle auf der Sekundarstufe I durchführen. Zentrale Themen werden der Einsatz des GeoGebra- und des Formulas-Plugin sein.

Eine erste Einführung in das Formulas-Plugin bietet die folgende PDF-Datei: Moodle_Formulas

Die von mir erstellten GeoGebra-Dateien können auch ohne Moodle-Einbindung genutzt werden.

Interessante Online-Kurse im April 2017

Für Lehrpersonen, die sich in den Bereichen Medien und Informatik sowie Unterrichtsmethodik selbständig weiterbilden möchten, werden auch im April wieder verschiedene interessante Kurse angeboten:

Ein digitaler Arbeitsplatz

Pulte von Lehrpersonen können nie genug gross sein, denn sie dienen als Ablage für zu verteilende, zu korrigierende und zurückzugebende Arbeitsblätter. Gleichzeitig müssen sie Platz bieten für Materialien, welche zur Vorbereitung von Unterricht bereitgestellt werden und auf ihnen wird bei „modernen“ Lehrpersonen auch ein Teil der Unterrichtstechnik abgestellt: Dazu gehören möglicherweise ein PC mit Bildschirm, Tastatur und Maus, ein Drucker, ein Visualizer. Diese Technik und die Materialien machen sich gegenseitig den Platz streitig, weshalb die Lehrperson Materialien hin- und herschiebt, stapelt und auf der Suche nach dem Gewünschten durchwühlt.

Die Digitalisierung des Unterrichts bietet dabei erst einmal keine überzeugende Lösung, da wohl einige Vorbereitungsmaterialien auf den virtuellen Schreibtisch verschoben werden können, sich dafür aber eben die Technik breit macht und vor allem in einer ersten Phase oft noch mehr Papier produziert wird, als dies in der guten alten Schule der Fall war.

Erst wenn die Digitalisierung weiter fortschreitet und einen Punkt erreicht hat, wo ein Teil der Technik unsichtbar wird, ergeben sich tatsächliche Vorteile: Dazu gehört ein Arbeitsinstrument (Computer), welcher zum einen mobil ist, zum anderen über verschiedene Eingabemöglichkeiten wie z.B. einen Stift verfügt.

Ein Gerät mit abnehmbarer oder separater Tastatur erleichtert den Einsatz eines Stiftes im Unterricht. Der Bildschirm sollte dazu geneigt werden können. Für den mobilen Einsatz sollte die Tastatur aber direkt am Gerät befestigt werden können (nicht abgebildet). Das Dock erlaubt die Verbindung zu externen Geräten wie Drucker und Beamer. Mit dem Fortschreiten der Technik dürfte die Verkabelung ebenfalls verschwinden und durch eine Funkverbindung ersetzt werden.

Der mobile Computer (ein Notebook oder ein Tabletcomputer) kann nicht nur einfach von einem Arbeitsplatz an einen anderen verschoben werden, wenn er über die Fähigkeit verfügt, den Bildschirm entsprechend zu neigen, kann er beim Einsatz eines digitalen Stiftes gleichzeitig auch weitgehend den Visualizer ersetzten. Der Drucker kann vom Pult der Lehrperson an einen weniger kritischen Ort verschoben werden, da er aufgrund von digitalisierten Arbeitsmaterialien für Schülerinnen und Schüler weniger zum Einsatz kommt. Auch die Stapel der zu korrigierenden Arbeiten verringern sich, wenn Routineaufgaben automatisch von einem Lern-Management-System ausgewertet werden.

Der so geschaffene Platz ist sowohl physisch von Bedeutung, denn nun kann der Platz für die Planung komplexer Aufgabenstellungen genutzt werden, bei denen das freie Handtieren von einzelnen Elementen zu einem Qualitätsgewinn der Unterrichtsqualität führen kann, als auch in psychologischer Sicht: Ein aufgeräumter Schreibtisch bietet Sicherheit und Klarheit in der täglichen Auseinandersetzungen mit den Chancen und Gefahren des Internetdschungels. Ausserdem erlaubt eine freie Arbeitsfläche es der Lehrperson, sich ganz auf diejenigen Arbeiten von Schülerinnen und Schülern zu konzentrieren, welche durch die Einforderung höherer Lernprozesse wie vertiefter Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand, individueller Lösungen und dem Entwickeln eigener Fragestellungen entstanden sind.

Die Digitalisierung hat demnach nicht nur das Potential, den Arbeitsplatz einer Lehrperson optisch zu verändern, wenn die Technik teilweise unsichtbar wird (ein Ausdruck ihrer Selbstverständlichkeit), dann verändert sich auch die Arbeitsweise: Statt auf Arbeitsblättern immer wieder die gleichen richtigen oder falschen Antworten anzustreichen, leistet nun die Lehrperson einen Beitrag, welcher die Qualität von Schülerarbeiten und der sich darin spiegelnden Lernprozesse tatsächlich auch verbessern kann.

Online-Kurse als Quelle der Inspiration

Kritiker unterstellen Online-Kursen, sie würden nebst Kurzfutter-Videos und banalsten Multiple-Choice-Test nicht viel bieten. Die darin präsentierten Lerninhalte würden angeblich nur oberflächlich verarbeitet und eine soziale Interaktion mit anderen Teilnehmenden entfalle gänzlich. Meist wird diese Kritik von Personen geäussert, die selbst noch nie einen Online-Kurs absolviert haben, deshalb will ich hier dazu gar nicht Stellung nehmen, sondern von einem Unterrichtsprojekt berichten, welches sich im Planungsstadium befindet und aufzeigen, welche Bedeutung dabei ein Online-Kurs hatte.

Anfang Schuljahr sprachen sich die Deutsch-Lehrpersonen der Lerngruppen mit erweiternden Anforderungen dahingehend ab, dass wir uns mit Friedrich Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ beschäftigen wollten. Bei diesen Absprachen geht es in der Regel nicht darum, den Unterricht zu normieren, vielmehr sollen dabei Ideen ausgetauscht und Doppelspurigkeiten in der Vorbereitung vermieden werden. Für mich war relativ bald klar, dass ich dabei nicht auf das Originalwerk zurückgreifen, sondern die Comic Version, welche an einem Gymnasium entstand, in den Mittelpunkt stellen würde, weil diese das Werk nicht nur gut zusammenfasst, sondern zusätzlich auf der Bildebene zur Interpretation einlädt und zudem einen Einblick in die Bildsprache von Comics – oder genauer Graphic Novels – erlaubt.

Im klassischen Ansatz hätte ich nun den Comic mit den Schülerinnen und Schülern gelesen. Sie hätten eine Reihe von Fragen zum Inhalt des Textes beantwortet und vielleicht das eine oder andere Kapitel zusammengefasst. Dieses Vorgehen wird zwar weitläufig angewendet, aber es ist nicht immer zielführend, denn es erlaubt es den Schülerinnen und Schülern, sich der eigentlichen Zielsetzung, der gedanklichen Auseinandersetzung mit einem literarischen Werk zu entziehen. Was also tun?

An dieser Stelle half mir ein Online-Kurs weiter, den ich letztes Jahr absolviert hatte: Literature in the Digital Age. Auf den Kurs selbst möchte ich hier nicht näher eingehen – obwohl dieser ebenfalls ein Leseprojekt zur Folge hatte. Wichtiger ist hier, dass der Kursleiter Philipp Schweighauser auch eine Reihe von weiterführenden Literaturempfehlungen abgab, u.a. zu Franco Morettis „Graphs, Maps, Trees“. Dieses lesenswerte schlanke Buch bespricht die Verwendung grafischer Repräsentationsmethoden bei der literturgeschichtlichen Untersuchungen. Im Kapitel „Trees“ bespricht Moretti nebst anderen Themen die Entwicklung des Kriminalromans im 19. Jahrhundert und er entwickelt eine Theorie, welche Merkmale dazu führen, dass eine bestimmte Ausprägung einer Literaturgattung – hier der Krimi nach dem Muster von Conan Doyles Sherlock Holmes – besonders erfolgreich sind. Nach Moretti spielt dabei die Verwendung von Hinweisen auf den Täter eine entscheidende Rolle.

Diese Bemerkungen Morettis führten zu einer kurzen Recherche zur Geschichte des Kriminalromans, wobei ich auch auf einen alten Bekannten Poes „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ stiess. Diesen Text hatte ich bereits mit Schülerinnen und Schülern gelesen. Mir war aber auch bewusst, dass ich dafür dieses Jahr die Zeit nicht finden würde. Trotzdem blieb die Frage im Raum, welcher Text nun als Urvater des Kriminalroman gelten dürfte.

All diese Überlegungen flossen letztlich in die Planung des Literaturprojekts rund um Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ ein. Ziel war es weiterhin, ein literarisches Werk zu lesen, dabei aber auch den Zugang für die unterschiedlichen Begabungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler zu öffnen.

Aktuell ist die Planung noch nicht abgeschlossen, klar ist aber, welche Fragestellungen dabei von Interesse sein könnten:

  • Welche Personen spielen eine Rolle?
    Darstellung der Personen in Text und Bild (Foto, Zeichnung)
  • An welchen Orten spielt die Handlung?
    Orte und zurückgelegte Wege in einer Karte eintragen
  • Wann spielt die Handlung? Ist sie linear oder gibt es Rückgriffe?
    Darstellung der Handlung auf einem Zeitstrahl
  • Aus welcher Perspektive wird die Geschichte erzählt?
    Verbindung zum Originaltext (Erzählperspektive) und zu den Verfilmungen
  • Welche typischen Elemente des Krimis werden verwendet?
    Vergleich mit anderen Kriminalgeschichten und -romanen
  • Welche sprachlichen Mittel werden verwendet?
    Textanalyse mit Hilfe des Computers
  • Welche Mittel der Bildsprache werden verwendet (im Comic)?
    Welches sind typische Elemente der Bildsprache im Comic?
    Analyse gemäss Scott McClouds „Comics richtig lesen“
  • Wie entstand die Literaturgattung des Krimis?
    Geschichte der Kriminalliteratur, Lesen von frühen Kriminalgeschichte
  • Wie entstand die Literaturgattung des Comics?
    Geschichte des Comics
  • Welches sind wichtige Kriminalromane der Literaturgeschichte
    vergleichende Literatur, Lesen von Kriminalromanen, Schreiben von Kurzzusammenfassungen
  • Welches sind wichtige Krimiautoren?
    Biografien, Untersuchung des zeitlichen und örtlichen Erfolgs von Autoren
  • Welches sind wichtige Figuren in Kriminalromanen?
    Abstraktion der Figuren einzelner Werke auf Prototypen
  • Welche Formen des Kriminalromans gibt es?
    Auseinandersetzung mit der Vielfalt des Kriminalromans
  • Wie ordnest du „Der Richter und sein Henker“ in die Kriminalliteratur ein?
    Literaturvergleich und Einordnung eines literarischen Werkes

Damit wird es möglich, die Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Text auf allgemeine Fragestellungen der Literatur und angrenzender Gebiete zu erweitern, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass Schülerinnen und Schüler unreflektiert Text zusammenkopieren und diesen als ihre eigenen gedanklichen Leistungen abgegeben, nicht weil sie damit glänzen wollen, sondern weil sie sich damit den intellektuellen Anstrengungen entziehen können, die eigentlich wesentlich für eine ernsthafte literarische Auseinandersetzung wären.

Wie gut die Umsetzung eines solchen Projekts gelingt, wird sich zeigen müssen, da diese wesentlich auch vom Engagement von Schülerinnen und Schülern abhängt. Durch die Erweiterung des Bezugsraum entstehen aber neue Zugänge auch für sehr individuelle Interessen, welche die Chance für ein Gelingen wesentlich erhöhen, wobei auch ganz klassische Vorgehensweisen wie die Beschreibung eines Bildes Platz finden können.

Quellen:

  • McCloud, Scott (1994). Comics richtig lesen. Carlsen
  • Moretti, Franco (2005). Graphs, maps, trees. Abstract models for literary history. Verso, London
  • Poe, Edgar Allan. Der Doppelmord in der Rue Morgue (Projekt Gutenberg)
  • Schweighauser, Philipp (2016). Literature in the Digital Age (Online-Kurs auf FutureLearn)

Wie viel Technik braucht die Schule?

Unterschiedlichste Firmen wollen Schulen ihre technischen Lösungen verkaufen, weil die Digitalisierung von Schulen gewinnbringende Geschäfte verspricht: Nebst den eigentlichen digitalen Geräten (Tablets, Computer, …) für die Schülerinnnen und Schüler gehören dazu vor allem Demonstrationsgeräte für Lehrpersonen wie interaktive Bildschirme oder Whiteboards.

Welche Technik ist aber nun wirklich notwendig, damit digitaler Unterricht gelingen kann?

(Anmerkung: Selbstverständlich ist es angenehm, wenn man über verschiedenste Optionen verfügt, allerdings werden einige davon kaum oder nur selten eingesetzt, und jedes Gerät weist auch einen Platzbedarf aus und verringert damit den Bewegungsraum im Schulzimmer.)

Präsentationstechnik

Bei der Präsentationstechnik konkurrieren aktuelle interaktiven Bildschirmen(teilweise mit Übergrösse) mit interaktiven Whiteboards und den klassischen Beamern.

Bildschirme bieten meist eine hervorragende Bildqualität (grosse Auflösung und Helligkeit) aber häufig spiegelt die verwendete Glasoberfläche. Grosse Modelle sind (noch) sehr teuer. Meist werden Bildschirme in eine Wandtafellösung integriert, um so an Wandtafeln orientierten Lehrpersonen entgegenzukommen. Dabei handelt es sich aber fast immer um eine Kompromisslösung, da die Seitenverhältnisse von Bildschirm und Wandtafel schlecht zueinander passen.

Interaktive Whiteboards werden seit vielen Jahren angeboten und basieren darauf, dass ein Bild per Kurzdistanzbeamer auf eine Schreibfläche geworfen wird. Die Bildqualität unterscheidet sich meist nicht von der eines klassischen Beamers. Dafür kann auf dem Whiteboard mit normalen oder digitalen Stiften geschrieben werden. Die versprochene Interaktivität wird selten wirklich im Unterricht umgesetzt, da eine entsprechende „Programmierung“ von Unterrichtselementen mit teilweise proprietären Softwarelösungen die Fähigkeiten der meisten Lehrpersonen ohne entsprechende intensive Schulung übersteigt.

Beamer dienen in der Regel als passive Präsentationstechnik, d.h., die werfen ein Bild an die Wand. Im Gegensatz zu früheren Modellen sind die heutigen Beamer lichtstark, weisen eine hohe Auflösung auf und fallen auch nicht mehr negativ durch störende Lüftergeräusche aus.

Zwar sind die hervorragende Bildqualität moderner Grossbildschirme und die Interaktivität von Whiteboards verlockend, berücksichtigt man aber die aktuellen Preise und die tatsächlich im Unterricht umgesetzten Anwendungsszenarien, empfiehlt sich die Anschaffung eines Beamers. Dies aus drei Gründen:

  1. Da die Beamerlösung wesentlich günstiger ist, kann dieser falls notwendig bereits nach einer vergleichsweisen kurzen Zeit (3-4 Jahre) gegen eine passendere Lösung ausgetauscht werden, während interaktive Whiteboards und Bildschirme viel länger im Einsatz bleiben müssen (ca. 10 Jahre), damit sich deren Anschaffung rechnet.
  2. Beamer sind flexibler: Sie können einfacher neu ausgerichtet werden, falls dies der Unterricht erfordert.
  3. Die fehlende Interaktivität kann durch die Verwendung entsprechender Software (z.B. sogar auf einer Webseite) nachgebaut werden, d.h. Lehrpersonen verwenden von Anfang an offene oder eingekaufte Bildungsressourcen, die unabhängig von der verwendeten Technik funktionieren.

Computer als Lehrerarbeitsgerät

Grundsätzlich verfügen (einmal abgesehen von Billigstgeräten) heute alle Computer über genügend Leistung, um den Anforderungen des Schulalltags zu genügen. Die Eigenschaften eines idealen Lehrerarbeitsgerätes hängen aber auch von den geplanten Lehr- und Lernszenarien ab.

Trotzdem gibt es einige Punkte, auf die man bei der Anschaffung achten sollte:

  • Idealerweise verfügt der Bildschirm über eine hohe Auflösung, welche derjenigen der Präsentationstechnik entspricht. (Stimmen die Auflösungen nicht überein, sind meist unschöne oder sogar störende Anzeigefehler die Folge.)
  • Der Bildschirm muss genügend gross sein. Dies trifft insbesondere für Lehrpersonen zu, deren Augen nicht mehr so leistungsfähig sind.
  • Das Gerät sollte über eine angenehme und zuverlässige Stiftbedienung verfügen, weil das Schreiben auf dem Bildschirm eine Reihe von anderen Geräten (z.B. Visualiser) zumindest teilweise ersetzen kann. Beim Schreiben ist es angenehm, wenn der Bildschirm möglichst heruntergeklappt und idealerweise sogar von der Tastatur entkoppelt werden kann.
  • Der Computer sollte schnell starten. Es ist im Unterricht äusserst unangenehm, wenn Zeit verloren geht, weil ein technisches Gerät noch nicht bereit ist.

Andere Geräte

Scanner: In den meisten Schulhäusern stehen leistungsfähige Kopierer mit einer eingebauten Scanfunktion zu Verfügung, welche handelsübliche Scanner bezüglich Geschwindigkeit und Bedienerfreundlichkeit bei weitem übertreffen. Notfalls kann der Scanner auch durch eine in Lehrer- oder Schülergeräte eingebaute Kameras und entsprechende Software ersetzt werden.

Visualiser: Wird der Visualiser vor allem für das Präsentieren von Arbeitsblättern verwendet, ist ein Computer mit Stiftbedienung meist die bessere Lösung. Nur wenn es darum geht, häufig Realia auf die „Leinwand“ zu bringen, sind Visualiser von Bedeutung. Geometrische Konstruktionen z.B. werden besser mittels einer dynamischen Geometriesoftware (z.B. GeoGebra) durchgeführt, da damit wesentliche Elemente einer Konstruktion besser sichtbar gemacht werden können.

Netzwerktechnik

Weil mit modernen Geräten häufig auf Internetdienste zugegriffen wird, ist eine funktionierende Netzwerktechnik Voraussetzung für eine technisch gelingende Umsetzung digitaler Unterrichtszenarien. Dazu gehört auch die Verwendung entsprechend leistungsstarker Wifi-Zugänge (viele Nutzer gleichzeitig).

Das brauchen Schulen wirklich

Für den normalen Unterricht im Klassenzimmer werden also vor allem ein Beamer, ein Computer mit Stiftbedienung und den Lernszenarien angepasste Schülergeräte benötigt. Die Internetanbindung via WiFi wird dabei vorausgesetzt.

Ein solches Szenario geht davon aus, dass mit den Lehrer- und Schülergeräten auf entsprechende Software zugegriffen werden kann, wobei dafür nebst den üblichen Office-Produkten vor allem ein Notizbuch wie OneNote und ein Lern-Management-System wie Moodle zentrale Rollen spielen. Damit können die meisten proprietären Funktionen von oft teurer Hardware einfach nachgebildet werden.

Ein Blick zurück: Administering School ICT Infrastructure

Mit der Digitalisierung des Unterrichts fallen in Schulen zunehmend auch administrative Arbeiten im ICT-Bereich an, dazu gehören u.a. die Administration des Schulnetzwerkes. Der Kurs „Administering School ICT Infrastructure“ bot dazu zum Jahreswechsel interessierten Lehrpersonen eine Einführung. In sechs Modulen wurden folgende Bereiche thematisiert:

  1. Optimierung des Schulnetzes
  2. WIFI and BOYD
  3. Verlagerung in die Cloud
  4. Sicherheit
  5. Rolle des ICT-Administrators
  6. Werkzeuge und Dienste

Im Rahmen des Kurses entwickelten die Teilnehmenden eine ICT-Entwicklungsplan für ihre eigene Schule. Der Entwurf einen solchen Planes für die Sekundarschule-Romanshorn findet sich hier:

School ICT development plan_EUN_Giger_final

Nebst den eigentlichen Kursinhalten stand vor allem der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen im europäischen Raum im Vordergrund. Dabei wurde bald klar, dass die Schweiz zumindest auf der Ressourcenebene (vorhandene ICT-Infrastruktur) im europäischen Raum im vorderen Drittel mitspielt. Nur wenige Länder verfügen über bessere Möglichkeiten. In Bezug auf die Schulung und die Kompetenz der Lehrpersonen sowie der Umsetzung von ICT im Unterricht scheint die Schweiz aber eher zum Mittelfeld zu gehören. Offensichtlich ist eine gute Ausstattung für eine Umsetzung digitaler Unterrichtsformen nicht hinreichend.

Viele der Kursteilnehmenden waren sich einig, dass die Weiterbildung von Lehrpersonen für die Integration von ICT in den Unterricht eine zentrale Herausforderung darstellt. Einerseits haben noch lange nicht alle Lehrpersonen erkannt, wie sehr die Zeit unterdessen drängt. Andererseits kämpfen selbst interessierte Lehrpersonen mit Zeitproblemen.

Kurs: http://www.europeanschoolnetacademy.eu/web/administering-school-ict-infrastructure-developing-your-knowledge-and-skills

Dieses Zeitproblem in den Griff zu bekommen wird zu einer zentralen Herausforderung für Schulleitende der kommenden Jahre werden. Zwar haben sich innovative Lehrpersonen entsprechende Kompetenzen weitgehend autodidaktisch oder mit Hilfe von Online-Kursen erarbeitet, doch gerade auf diese Bereitschaft kann bei der grossen Gruppe der restlichen Lehrpersonen nicht gezählt werden.

Zudem ist es selbst mit entsprechenden Weiterbildungen nicht getan, denn viele sinnvollen digitalen Lernszenarien befinden sich noch in der Entwicklung. Natürlich kann die digitale Zukunft der Schule mit Hilfe von Kaufapps gestaltet werden, welche Bruchstücke des Lehrplans abdecken. Um eine entsprechende Integration von ICT und insbesondere der informatorischen Bildung zu gewährleisten, müssen aber auch auf Schulebene erst die entsprechenden Ressourcen geschaffen werden.

Der von der European Schoolnet Academy angebotene Kurs liefert dazu einen wichtigen Baustein.

Mehrwert von Onlinekursen

Die traditionelle Weiterbildung von Lehrpersonen folgt zwei Mustern: Entweder bewegen sich die Lehrpersonen an einen Kursort, um sich dort über ein Thema zu informieren, oder aber Kursleitende besuchen die Lehrpersonen ausserhalb des Unterrichts vor Ort in der Schule. Während der Kursbesuch an verschiedenen Institutionen – sofern er freiwillig erfolgt – mindestens einigermassen auf die Interessen der Lehrpersonen eingehen kann, ist dies bei vielen SCHILF-Veranstaltungen nicht der Fall. Allzuhäufig wird dort allen Lehrpersonen – ob in Bezug auf das Thema kompetent oder nicht – ein Einheitsbrei verabreicht, der die einen unter- die anderen überfordert.

Ein Ausweg aus diesem ewigen Kreislauf von Informationen, Austausch (häufig mit Hilfe von Flipcharts) und geringer Nachhaltigkeit (nach dem Kurs steht bald wieder der Alltag im Zentrum), bieten Kurse, welche Online angeboten werden.

Vorteile von Online-Kursen

Online-Kurse bieten gegenüber Präsenzkursen – einmal abgesehen vom Nachteil, dass man sich nicht von Angesicht zu Angesicht austauschen kann – eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Es ist keine Anreise notwendig. Die damit freiwerdende Zeit kann entweder in die Vorbereitung von Unterricht oder weiteres Lernen investiert werden.
  • Online-Kurse können zeitlich flexibel absolviert werden. Häufig ist es aus zeitlichen Gründen gar nicht möglich, einen Präsenzkurs zu besuchen. Oder kurzfristige Belastungsspitzen im Schulalltag führen dazu, dass ein Kurs nicht wie gewünscht bearbeitet werden kann. Die Flexibilität von Online-Kurse schafft hier Abhilfe.
  • Online-Kurse können häufig im Detail und unverbindlich bearbeitet werden. Bei Präsenzkursen muss der Kurs häufig schon Wochen vorher gebucht werden, ohne dass wirklich klar ist, in welcher Tiefe die aufgelisteten Details behandelt werden. Bei Online-Kurse ist ein Ausstieg jederzeit möglich – und diese Option wird auch häufig wahrgenommen. Bei einem Präsenzkurs bleiben die Teilnehmer, auch wenn dieser wenig zu bieten hat, weil die Anfahrtskosten mit in die Kalkulation einbezogen werden – und auch aus Pietät zu den Kursleitenden.
  • Online-Kurse können im eigenen Lerntempo bearbeitet werden und müssen nicht im Gleichschritt mit anderen Kursteilnehmern absolviert werden.
  • Online-Kurse sind häufig günstiger als Präsenzveranstaltungen auch wenn z.B. ein entsprechendes Kurszertifikat nur gegen Bezahlung abgegeben wird.

Nachteile von Online-Kursen

Nicht alle Inhalte können sinnvoll in einem Online-Kurs vermittelt werden, dazu gehören beispielsweise Werkkurse, an denen spezielle Techniken vermittelt werden. Häufig sind die Kursinhalte der pädagogischen Hochschulen aber intellektuell ausgerichtet und dort ist ein Ersatz problemlos möglich.

Die Kursteilnehmenden kommen mit der Freiheit in Online-Kursen nicht klar, denn die Absolvierung dieser Art der Weiterbildung erfordert ein hohes Mass von Selbstdisziplin und Durchhaltewillen.

Online-Kurse sind für die Schulentwicklung bedeutsam

Lehrpersonen und Kursleiter bewegen sich immer im gleichen System. Häufig ist man sich über Dinge einig, welche keineswegs selbstverständlich sind. In diesem Umfeld fällt es nicht einmal mehr auf, wie viele ungeschriebene und nie explizit formulierte Normen gelten und damit auch den Schulalltag prägen.

Online-Kurse sind ein hervorragendes Mittel, den Horizont zu erweitern und die eigene Haltung gezielt zu hinterfragen, denn zumindest in internationalen Kursen sorgt die Vielfalt der Teilnehmenden dafür, dass ganz unterschiedliche Aspekte in den gemeinsamen Austausch einfliessen. Dabei kommen auch Minderheiten zu Wort, die sich in traditionellen Kursgefässen entweder schon gar nicht zu Wort melden, oder aber deren Stimmen nicht gehört werden.

Entsprechende Fragestellungen, seien sie teilweise auch banal, können dazu führen, die Vielfalt der Schulsysteme, in welchen Kursteilnehmende tätig sind, sichtbar zu machen und damit den Teilnehmenden, die Augen für Neues zu öffnen.

Gleichzeitig führt der Austausch aber auch dazu, dass romantische Vorstellungen von anderen Schulsystemen durch die konkreten Aussagen von darin tätigen Lehrpersonen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

Manchmal wird ein Kurs nur online angeboten

Studiert man die Kursverzeichnisse von professionellen traditionellen Anbietern (PHs), dann wird relativ schnell klar, dass diese sehr häufig auf Trends reagieren: So gab es bis vor kurzem zahlreiche Kurse, welche sich mit dem altersdurchmischten Lernen beschäftigen, während gleichzeitig im ICT-Bereich kaum Inhalte angeboten wurden. Ein solches auf die Masse zugeschnittenes Kursangebot deckt die Bedürfnisse der meisten Lehrpersonen ab und ist wirtschaftlich sinnvoll. Allzu oft aber werden innovative Kursangebote der pädagogischen Hochschulen dadurch verhindert, dass sich dafür nicht genügend Teilnehmende einschreiben. Diese Einschränkungen sind aber insbesondere für Lehrpersonen wenig hilfreich, welche nach vertieften Kursmöglichkeiten suchen oder Spezialinteressen haben. Und gerade diese Spezialinteressen werden mit einer vertieften Professionalisierung des Berufsstandes immer wichtiger.

Hier bieten Online-Kurse die Möglichkeit, auch auf Bedürfnisse einzugehen, für welche vor Ort nicht genügend Interesse vorhanden ist. Erst dadurch wird es aber möglich, dass die betroffenen Lehrpersonen sich weiterbilden und als Innovationsträger an einer Schule wirken können.

Die Zukunft von Online-Kursen

In den letzten Jahren haben vor allem sogenannte MOOCs (massiv open online courses) stark an Bedeutung gewonnen. Unterdessen ist diese Form von Bildungsangeboten auch erfolgreich kommerzialisiert worden – allerdings auch auf Kosten der Vielfalt von möglichen Kursformen.

Mit dem Fortschritt der Technik – es wird immer leichter, Inhalte anzubieten – sollte es aber auch kleineren Institutionen und sogar einzelnen Lehrpersonen weit einfacher möglich werden, interessante Inhalte für Kolleginnen und Kollegen anzubieten. Dafür gibt es bereits erste Beispiele.

Wahrscheinlich wird sich deshalb neben den „offiziellen“ MOOCs eine Szene entwickeln, in welcher sich interessierte Lehrpersonen im Rahmen eines Themas noch spontaner vernetzen und voneinander lernen können.